Technisches - Schröter Amplification Point to Point wired Amps Bavaria/Germany

Go to content

Technisches

Die Endstufenverzerrung

Wird zum Beispiel ein Marshall Amp knapp über die Hälfte  aufgedreht, kommt man in einen Bereich, wo sich der Sound mehr oder  weniger plötzlich nochmal stark verändert. Eine zusätzliche Verzerrung  kommt nämlich zum bis dahin gehörten/gefühlten Vorstufensound dazu. Egal  wieviel Verzerrung die Vorstufe bis dahin hat, wird diese zusätzliche  Verzerrung zunächst nur als Kompression wahrgenommen. Der Ton verdichtet  sich und unterschiedlich starke Plektrumanschläge äußern sich nun  weniger in Lautstärkeunterschieden. Wenn man noch weiter aufdreht,  "kippt" die Kompression in eine hörbare Verzerrung um. Je nach Amp und  seiner genauen Schaltung, kann das traumhaft klingen oder endet  vielleicht nur in undurchsichtig mulmigen Sound, besonders im  Bassbereich. Bis dahin aber ist das Verhalten des Amps wohl für die  meisten Gitarristen das Soundoptimum, der sogenannte "Sweetspot". Der  Sound trägt einen, macht einem das Spielen leichter, der Amp pumpt, beim  Spielen kommt was zurück, man steht voll im Soundsaft!
Allerdings ist das für kleinere Clubs oft schon zu laut. Die  meisten denken, das sei die komprimierende/verzerrende Endstufe, was  aber (zum Glück ;-) nur teilweise stimmt! Es scheint keinen anderen Weg  zu geben, als zwischen Lautsprecherausgang und Speakerbox irgendeinen  Power Soak (Lastwiderstand) zu hängen, um die Kiste wieder leiser zu  kriegen. Das ist zwar jetzt vielleicht besser als vorher, aber viele  sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Abgesehen vom zusätzlichen  heissen Kasten den man rumziehen muss, machen die meisten dieser Geräte  den Sound nämlich unerträglich flach, "pappig".
Es gibt für sehr viele Amps dafür eine weitaus bessere Lösung!....
Das sogenannte Post Phase Inverter Master Volume, kurz PPIMV
Vor der Endstufe sitzt die sog. Treiberstufe (meist eine  12AX7 oder 12AT7), die die Endstufenröhren ansteuert (antreibt) und je  nach Bauweise die technisch nötigen gegenphasigen Signale (Phase  Inverterer) erzeugt. Nicht die Endstufe sondern sie ist es, die vom  Vorstufensignal "angeblasen" wird und uns, je nach genauer Schaltung,  lange bevor die Endstufenröhren zu verzerren beginnen, den oben  beschriebenen Effekt beschehrt!

Master Volume kontra Power Soak
Diese Methode hat gegenüber einem Power Soak den Vorteil,  dass den Endstufenröhren nicht mehr Leistung abverlangt wird als man  eigentlich braucht. Nicht nur sie halten dadurch wesentlich länger,  sondern alle Bauteile bleiben geschont, weil die Hitzeentwicklung im  ganzen Amp lange nicht so hoch ist. Des Weiteren kann man stufenlos  regeln, kein zusätzliches Gerät muss mitgeschleppt werden und am  wichtigsten - der Sound wird nicht flach, weil der direkte Kontakt des  Ausgangsübertragers zu den Lautsprechern und damit die wichtige  Interaktion zwischen Speaker und Endstufe nicht gestört wird, die den  Sound dreidimensional erscheinen lässt.
Sagging (besonders bei Amps mit Gleichrichterröhre), das  tatsächliche Endstufenklipping und das Verzerren des Ausgangsübertragers  durch magnetische Sättigung bei sehr hoher Aussteuerung, fängt der  Master aber nicht ein. Das kann zwar ein Power Soak, bügelt es jedoch  flach.
Für den eingangs beschriebenen "Sweet Spot" aber ist der "Endstufen Master" für kleinere Lautstärken unschlagbar!


Der Bypass

True, Echt True oder Real und Hardware oder nicht? Wie  unterscheiden sie sich? Was ist wirklich besser? Worauf kommt's an?
Ziemlich verwirrend und teilweise haarsträubend, was man da so  alles zu lesen bekommt! Ich müsste glatt jemand fragen, der sich mit  sowas auskennt ;-). Also, langsam und der Reihe nach:

Ein Effektgerät hat, bis auf wenige Ausnahmen, normalerweise  immer einen Schalter, um den Effekt ein- und auszuschalten. Würde man  dazu einfach die Betriebsspannung abschalten, käme gar kein Ton mehr,  weil die aktiven Bauteile (ICs, Transistoren, Röhren) eines  Effektgerätes nicht mehr arbeiten könnten und damit auch kein Signal  mehr leiten. Die Lösung besteht darin, dass man die Schaltung, die den  Effekt produziert, bypasst (umgeht), also das Gitarrensignal an der  Effektschaltung vorbei, vom Eingang des Gerätes direkt zum Ausgang  leitet. Ob dabei das Signal vollständig, so wie es reinkommt, am Ausgang  ankommt, oder ob Teile des Signals noch wo anders hinfließen können,  macht dabei den Unterschied zwischen den verschiedenen Bypassschaltungen  aus.
Am Geräte ist also ein Umschalter, der wie bei der Eisenbahn  eine Weiche für das Gitarrensignal stellt, ob es durch die  Effektschaltung fließt oder dran vorbei. Dieser Umschalter kann ein  Transistor sein, ein Optokoppler oder ein IC, vereinfacht gesagt ein  Halbleiterbauteil oder es kann ein mechanisches Bauteil mit  Metallkontakten sein, sprich ein Relais oder einfach ein Schalter.  Achtung: Mit dem Schalter ist gemeint, dass das Signal durch ihn  durchfließt. Ein Schalter ist ja immer am Gerät, aber nicht immer kommt  er mit dem Signal überhaupt in Berührung, sondern gibt nur anderen  Bauteilen den Befehl, das Signal irgendwo hin zu leiten.
Nur ein Bauteil mit Metallkontakten, egal ob Gold, Silber, Kupfer, etc., ist ein Hardware Bypass.  Das Material hat nix mit True oder Real oder Echt zu tun! Ob der Bypass  im Gerät ein Hardware Bypass ist, kann man testen, indem man die  Stromversorgung unterbricht. In der Effekt ON Stellung kommt kein Signal  durch, in der BYPASS Stellung hört man die Gitarre, nur wenn's ein  Hardware Bypass ist. Wenn der Schalter nur den Ausgang der  Effektschaltung unterbricht und den Eingang des Gerätes mit dem Ausgang  verbindet, hört man zwar die Gitarre durch, aber der Ton wird leicht  verändert sein.
Von einem True Bypass oder Real Bypass spricht man erst, wenn  das Eingangssignal mit keiner weiteren elektronischen Komponente,  ausser dem Umschalter in Berührung kommt.
Das wiederum ist nur mit Metallkontakten überhaupt möglich.  Wenn, der Schalter Ein- und Ausgang der Effektschaltung vom  Gitarrensignal vollständig trennt, und Ein- und Ausgangsbuchse des  Gerätes direkt verbindet, haben wir unseren TRUE HARDWARE BYPASS.
Sein Job ist, dass sich im Bypass Modus das Effektgerät im  theoretischen Idealfall so verhält, als wäre es überhaupt nicht da. Ein-  und Ausgang abzutrennen ist nur mit einem 2 kanaligen Umschalter  möglich. Bei Geräten, wie z.B. ein Dunlop Cry Baby Wah Wah oder  der MXR Distortion+, wird der Bypass zwar mit einem Hardware Umschalter  realisiert, aber der Eingang der Effektelektronik wird dabei nicht vom  Gitarrensignal getrennt, sondern nur der Ausgang. Dadurch hört man zwar  den Effekt nicht mehr, aber ein Teil unseres edlen Gitarrensignals läuft  immer noch in die Schaltung und wird dadurch beeinflusst. -Hardware  Bypass, aber nicht true!
Der Equalizer bei einigen Mesa Boogie Modellen (MK2) wurde  früher mit einem 2-kanaligen Kippschalter ein- und ausgeschaltet. Wenn  ausgeschaltet, war der EQ vollständig vom Signal getrennt. - ein True  Hardware Bypass also. In diesem Zustand war der Amp ein  Vollröhrenverstärker. Für alle die darauf wertlegten, eine absolut  akzeptable Lösung. Bei späteren Modellen, wie zum Beispiel MK3 oder  Caliber 50 allerdings, wird der EQ nicht einmal an einer Seite  abgetrennt! Das Signal läuft immer noch vollständig durch die  Transistoren des EQs. Zu keiner Zeit ein Vollröhrenverstärker! Es wird  nur der Fußpunkt der Filter hochgelegt, so dass sie nicht mehr wirken  können.
Bei den typischen Bodentretern, wie z.B. Boss oder Ibanez, wird  durch Halbleiter (FETs) umgeschaltet. Dabei wird - zumindest meistens -  weder Ein- noch Ausgang der Effektelektronik abgetrennt. Im Bypass Modus  durchläuft das Signal die FETs und oft noch Schaltungsteile. Das  beeinflusst auf jeden Fall das Signal. Das heisst aber noch lange nicht,  dass das grundsätzlich schlecht ist! Das Signal kommt nämlich  niederohmig aus diesen Geräten und ist gegenüber dem Signal direkt aus  der Gitarre unempfindlicher gegen Einstreuungen und der Kabelkapazität  (siehe weiter unten) und damit unempfindlicher gegen Höhenverlust.
Für lange Kabelwege gibt's für diesen Job extra sog. Buffer Amps.  Gibt's also am "Bypass Sound" eines bestimmten Effektgerätes nicht's zu  meckern, hat man gratis einen akzeptablen Buffer Amp. Werden aber  mehrere Effektgeräte hintereinander verkabelt, wird's mit Sicherheit  nicht besser. Es hört und fühlt sich indirekter und flacher an oder der  Frequenzgang ist überhaupt hörbar verformt, also vielleicht treten hohe  Mitten in den Vordergrund oder fehlen.
Haben diese Geräte keine True Hardware Bypässe, sollte man sie  besser mit einem Looper verwalten. Die jeweilige Loop ist jetzt unser  True Harware Bypass, vorausgesetzt natürlich, dass der Looper mit  (Metall-) Schaltern oder Relais arbeitet - die Tubelit Little Roadies  arbeiten natürlich so. Das Kontaktmaterial der Schalter, also  Silber, Gold, etc., spielt dabei soundmäßig keine Rolle, vorausgesetzt  die Kontakte sind einwandfrei. Der Vorteil liegt mehr in der  Langlebigkeit, weil sich bei Schaltern mit Edelmetallkontaken,  Übergangswiderstände zwischen den Kontakten nicht so schnell bilden  können und die sind dann hörbar. Vielmehr ist vordergründig wichtig, wie  die Elektronik des Loopers aufgebaut ist -das lässt sich nämlich nicht  reparieren (siehe Punkt zu Punkt Verdrahtung).
Kann man das Ideal, dass das Effektgerät im Bypass unhörbar sein  soll, nicht 100%ig erreichen, sollte sich der Bypass, wenigstens so  verhalten, als wäre das Effektgerät mit einem guten und kurzen  Patchkabel überbrückt.


Kabel und deren Kapazität

Kabel haben immer eine Kapazität, d.h. sie wirken wie ein  Kondensator (siehe auch weiter unten "Kondensator"), der gegen Masse  geschaltet ist. Je höher die Frequenz, desto leichter leitet der  Kondensator sie gegen Masse ab. Je länger aber ein Kabel, desto höher  ist seine Kapazität und je höher diese ist, desto leichter leitet sie  widerum auch tiefere Frequenzen.
Nochmal vereinfacht und kurz:
Ein normales Kabel nimmt uns wenn es kurz ist (2 m) nur ein paar  Höhen, ist es länger (6 m) nimmt es uns Höhen und Mitten, ist es sehr  lang (10 m), nimmt es uns Höhen, Mitten und vielleicht noch nicht Bässe,  aber Tiefmitten.
Das Gitarrensignal verliert mit jedem Meter Kabel dadurch an Transparenz!

Abgesehen von der grundsätzlichen Höhendämpfung, gibt es zur  Kabelkapazität noch zu sagen, dass sie mit der Spule des Tonabnehmers  der Gitarre eine bestimmte Resonanzfrequenz des selbigen bildet  bzw. eine Verschiebung der Resonanzfrequenz nach unten zur Folge hat.  Die Resonanzfrequenz ist die Frequenz, die der Tonabnehmer am lautesten  wiedergibt. Das bedeutet, dass eine Gitarre mit verschiedenen Kabeln  auch verschieden klingt. Hat das eine Kabel eine recht kleine Kapazität,  könnte die Gitarre schrill klingen, weil ein höherer  Mittenfrequenzbereich, der vielleicht gerade die h-Saite betont, am  lautesten kommt. Ist bei einem anderen Kabel die Kapazität groß, könnte  die selbe Gitarre jetzt warm klingen. Eine andere Gitarre aber könnte  mit dem Kabel mit der kleinen Kapazität sehr durchsichtig klingen und  mit dem Kabel mit der hohen Kapazität matt.

Kabel nehmen also grundsätzlich Höhen weg und haben gleichzeitig  im Zusammenhang mit der Gitarre eine Betonung eines bestimmten  Frequenzbereichs zu Folge. Um zusätzliche Kapazitäten braucht man sich  sicher nicht bemühen, die lauern überall auf dem Weg vom Tonabnehmer bis  in den Verstärker. Jeder Klinkenstecker, jede Klinkenbuchse, jeder  schlechte True Hardware Bypass addiert sich mit seiner Kapazität dazu.  Deshalb suche ich mir Kabel immer mit der geringsten Kapazität aus. Jede  Gitarre klingt damit sowieso anders. Dieses "anders" ist aber selbst im  schlechtesten Fall viel besser zu verkraften, als ein zu großer  Höhenverlust. Sind die Höhen futsch, klingt's sch...., und dann juckt  die Resonanzfrequenz auch nicht mehr. Ausnahme: Eine Lieblingsgitarre  mit Ihrem persönlichen Kabel, möglichst direkt in den Verstärker. Hier  interessiert nur das Ergebnis, nicht die ansonsten vielleicht zu hohe  Kapazität des Kabels.


Punkt zu Punkt Verdrahtung

Bei einem Looper o.ä., ist es wie bei den Röhrenverstärkern:  Geräte in Platinenbauweise werden in der Regel einfach nicht, sagen wir  mal so offen, direkt und pur klingen, wie Geräte in Punkt zu Punkt  Verdrahtung. Das liegt in erster Linie an den Kapazitäten in der  Schaltung, die sich zwischen Bauteilen und besonders zwischen  Leiterbahnen bilden. Die Bauteile und vorallem die Leiterbahnen sind  sehr nahe beieinander, insbesondere, wenn die Platine doppelt kaschiert  ist, d.h. Leiterbahnen sind oben und unten auf der Platine. Das macht  man in der Herstellung so, damit möglichst viel Elektronik auf geringen  Platz passt und das wiederum ist billiger ... und klingt auch so.
Kondensator aus Leiterbahnen
Die alten (50er, 60er Jahre) Verstärker waren alle Punkt zu  Punkt verdrahtet. Die Abstände der Bauteile und Leitungen zueinander  sind dadurch (normalerweise) größer.
An dieser Stelle ein kleiner Exkurs in die Elektrotechnik:

Ein Kondensator ist grundsätzlich so aufgebaut, dass sich  zwei von einander elektrisch isolierte Flächen gegenüberstehen.  Gleichspannung (DC) kann nicht drüber, Wechselspannung (AC) schon. Ein  Tonsignal ist immer eine Wechselspannung und im Falle eines Gitarrentons  ein Gemisch aus hohen und tiefen Frequenzen. Je geringer u.a. der  Abstand der Flächen zu einander und je größer sie sind, desto höher ist  die Kapazität des Kondensators. Hohe Frequenzen können schon bei kleiner  Kapazität drüber, tiefe Frequenzen besser, je größer die Kapazität ist.

Nun zurück zum Schaltungsaufbau:
Liegen zwei Drähte dicht nebeneinander, bilden sie einen  Kondensator. Da die Drähte rund sind, sind die Flächen, die sich dabei  gegenüberstehen sehr klein. Ausserdem ist der Abstand zwischen den  Drähten durch ihre Isolierung relativ groß. Das ergibt einen miserablen  Kondensator, d.h. einen mit sehr geringer Kapazität. Nur die höchsten  Höhen schaffen's da drüber, wenn überhaupt, und diese Begebenheiten  haben wir überwiegend bei der Punkt zu Punkt Verdrahtung. Leiterbahnen  auf Platinen aber, sind flach. Besonders bei den oben erwähnten doppelt  kaschierten Platinen, liegen sich relativ große Flächen gegenüber. Das  ergibt einen passablen Kondensator, der bereits schon Frequenzen im  mittleren Bereich ganz gut leiten kann, den man aber lieber in die Wüste  schicken möchte. Unser Tonsignal soll ja nur den, durch die Schaltung  vorgebenen Weg gehen, und nicht irgendwelche Abkürzungen nehmen.
Zur besseren Vorstellung: In schlecht designten oder defekten  Verstärkern mit Clean- und Highgainkanal kann es sein, dass man im  Cleankanal den Highgainkanal im Hintergrund leise durchhört. Das stört  einerseits bei leisen Cleanpassagen und andererseits löschen sich hier  verschiedene Frequenzen aus, andere verdoppeln sich, weil die Signale -  teils phasenverschoben - wild durch die Schaltung sausen.  Vergleichsweise geschieht das nun durch die Kapazitäten zwischen den  Bauteilen und Leiterbahnen, also auch in einem einkanaligen Verstärker.  Der eine Teil des Signals geht durch die Röhre, der andere hat eine  Abkürzung über eine Leiterbahn genommen und ist deshalb schon früher da,  aber nicht durch die Röhre bearbeitet und nun kommt's drauf an, wer  stärker ist :-) Verständlich, dass das für ein dynamisches,  durchsichtiges und druckvolles Signal nicht zuträglich sein kann.


Lautsprecherimpedanz

Immer wieder taucht die Frage auf: Die Lautsprecherbox hat  16 Ohm, aber der Verstärker hat nur einen 8 Ohm oder 4 Ohm Ausgang, oder  umgekehrt. Kann da was kaputt gehen?
Transistorendstufe:
Der Ausgang einer Transistorendstufe ist niederohmig und wird  schaltungstechnisch für den Anschluss eines meist 4 oder 8 Ohm  Lautsprechers ausgelegt und braucht deshalb keinen Ausgangsübertrager.  Würde hier ein 16 Ohm Lautsprecher angeschlossen, fließt ein geringerer  Strom durch Endstufentransistoren und Lautsprecher. Nichts passiert,  aber die abgegebene Leistung an den Lautsprecher ist entsprechend  geringer. Werden z.B. zwei 4 Ohm Lautsprecher parallel an einem 8 Ohm  Ausgang angeschlossen, was also 2 Ohm Last ergibt, fließt ein höherer  Strom durch die Endstufe (und Lautsprecher) als vorgesehen und kann für  die Endstufe bereits sehr gefährlich sein. Der schwächste der  Transistoren wird sehr bald die weisse Fahne schwenken.
Röhrenendstufe:
Endstufenröhren haben im Vergleich zu Lautsprechern einen  viel zu hochohmigen Ausgang. Deshalb wird in Röhrenendstufen immer ein  Ausgangsübertrager (Ausgangstransformator) gebraucht, um den  Endstufenausgang auf den Widerstandswert eines Lautsprechers herunter zu  transformieren.
(Am Rande bemerkt: Das hat einen vorteilhaften, und besonders  bei Vintage Speakern einen sehr beruhigenden Nebeneffekt; niemals kann  bei einer Röhrenendstufe im Gegensatz zu einer Transistorendstufe, wenn  sie keine Schutzschaltung hat - und viele haben das nicht -,  Gleichspannung auf die Speaker kommen, was einen sehr jähen  Lautsprechertot zur Folge hat!) Zurück zum Thema: Wird hier z.B. ein  Speaker mit 4 Ohm am 16 Ohm Ausgang angeschlossen, werden die  Endstufenröhren stärker belastet, wodurch sich natürlich ihre  Lebensdauer verkürzt. Es wird aber nicht zu einem Ausfall oder  Beschädigung des Ausgangstrafos kommen, da die Endstufenröhren durch die  größere Last am Ausgang, die durch den Ausgangstrafo auf die  Endstufenröhren zurückwirkt, in ihrer Leistung begrenzt werden. Einige  Fenderamps haben als Speakerbuchse eine Schaltbuchse, die wenn kein  Lautsprecher angeschlossen ist, den Ausgang sogar kurzschließt, quasi  ein Speaker mit 0 Ohm.
Der umgekehrte Fall allerdings, wenn also kein Speaker  angeschlossen ist, oder ein imaginärer Speaker mit unendlich großer  Ohmzahl, ist für die Endstufe tödlich! Strom sucht sich immer den Weg  des geringsten Widerstandes. Der hohe Strom, der von den Endstufenröhren  produziert wird, kann wegen des nun sehr hohen Widerstandes des Trafos  nur schwer über ihn fließen, oder anders gesagt, er kann nicht auf eine  angeschlossene Last übertragen werden. Aber irgendwo muss er ja nun hin.  Raus kann er nicht, also muss er in der Endstufe bleiben, und wird sich  den Weg mit dem geringeren Widerstand über die sogenannten Schirmgitter  der Endstufenröhren suchen. Im Extremfall kann auch der Ausgangstrafo  durchbrennen.

Im Falle einer nur Fehlanpassung im Rahmen 16 Ohm Box an 8 Ohm  Ausgang oder umgekehrt, wird also nichts ausser einer Soundveränderung  und Abgabe einer geringeren Leistung an den Speaker passieren. Die  Angabe der Impedanz (Ohmzahl) des Lautsprechers bezieht sich nämlich eh  nur auf eine bestimmte Frequenz (400Hz). Mit steigender Frequenz hat der  Speaker einen immer höheren Wert. Mesa Boogie machte damals mit ihrer  295er Simul Class Endstufe sogar damit Werbung, man soll einfach den  Speakeranschluss benutzen, an dem einem der Sound am Besten gefällt.
Wichtig ist dabei die Voraussetzung, dass der Verstärker mit  normalen Gitarrensignalen gefüttert wird, also nicht mit reinen  Sinustönen (abgesehen vom vorgesehenem Meßton), weil sich hier extreme  Betriebsgrößen einstellen können, und dass sich die Endstufe in einem  normal eingestellten Arbeitsbereich befindet, und nicht schon auf dem  Zahnfleisch daher kommt, wegen z.B. einem viel zu hoch eingestellten  Ruhestrom (Bias).
Thema Gitarrenkabel als Lautsprecherkabel
Ein Gitarrenkabel ist wegen seinem geringen Querschnitt  nicht dafür gemacht, höhere Leistungen zu transportieren. Man legt sich  alleine schon deshalb ein Ei - besonders Bassisten - weil tiefe Töne  immer mehr Leistung verlangen als hohe. Der Lautsprecher wird vom  Innenwiderstand der Endstufe auch nicht wie vorgesehen bedämpft. Das  Interaktionsverhältnis zwischen Speaker und Endstufe ist also ein  anderes (schlechteres). Das muss aber nicht unbedingt gleich auffallen.  Was viel wichtiger ist - und durchaus auch nicht ungefährlich: Ein  Gitarrenkabel hat immer eine gewisse Kapazität (siehe auch weiter oben).  Im Lautsprecher wohnt bekanntlich eine Spule mit einer Induktivität.  Wir haben hier also eine Parallelschaltung einer Spule mit einem  Kondensator, was einen Parallelschwingkreis ergibt (wie beim Tonabnehmer  und Kabel weiter oben). Bei dieser Resonanzfrequenz hat der  Parallelschwingkreis einen sehr hohen Widerstand. Das bedeutet, dass  auch in der Nähe dieser Frequenz einen Zustand herrscht, als wäre kein  Lautsprecher angeschlossen -Schirmgitter ade!

Zusammengefasst noch mal kurz und klar:
Gitarrenkabel nicht als Boxenkabel verwenden!
Transistorendstufe - im Zweifelsfall darf der  Lautsprecher einen höheren Ohmwert haben als der Speakerausgang, z.B.  Lautsprecher 8 Ohm, Speakerausgang 4 Ohm
Röhrenendstufe - im Zweifelsfall darf der Lautsprecher  einen geringeren Ohmwert haben, als der Speakerausgang, z.B.  Lautsprecher 8 Ohm, Speakerausgang 16 Ohm

Weil es sich bei Röhrenendstufen eben genau andersrum verhält, als bei Transistorendstufen, entstand hier wohl irgendwann die Verwirrung und wird gerne mal falsch gemacht.
Übrigens: Nur wenn die Anpassung stimmt bekommt der Lautsprecher  die maximale Leistung ab. Egal ob Über- oder Unteranpassung, egal ob  Transistor oder Röhre, da lässt sich nichts manipulieren, um mehr Saft  heraus zu holen.

Leistungsreduzierung von Endstufen
Werden bei einer Röhrenendstufe 2 von 4 Röhren  herausgenommen, hat die Endstufe nur noch ca. die Hälfte der Leistung.  Bei Gitarrenamps mit Leistungsschalter wird das durch Abschalten von 2  Röhren realisiert. Es ist dabei wichtig, dass von jeder Push/Pull Seite  der Endstufe eine Röhre rausgenommen wird, also einfach entweder die  beiden inneren, oder die beiden äusseren Röhren rausnehmen.
Da sich aber jetzt der Ausgangswiderstand der Röhren verdoppelt  hat und die Röhren über den Ausgangsübertrager mit der Lautsprecherbox  gekoppelt sind, sollte sich der Wert der Box ebenfalls verdoppeln, damit  das Anpassungsverhältnis wieder ausgeglichen ist. Da muss man nicht  gleich zum Lötkolben greifen, sondern einfach z.B. die 16 Ohm Box an  einem 8 Ohm Ausgang anschließen, bzw. den Impedanzwahlschalter auf 8 Ohm  stellen - fertig. Der Speakerausgang muss also auf den nächst  geringeren Wert eingestellt werden. Zum besseren Merken, ob der  Speakerausgang niedriger oder höher eingestellt werden muss ein kleiner  Tipp: Dass man umstellen muss (eigentlich nur soll), weiss man. Kann ich  nun für eine weit verbreitete16 Ohm Box am Amp einen höheren Wert  einstellen, auf 32 Ohm? --> Nein, es geht nur nach unten ;-)

Widerstandswerte
An dieser Stelle ein Wort zu den Widerstandswerten.
Bei einer Parallelschaltung von 2 Lautsprechern halbiert sich  ihr Wert, bei einer Reihenschaltung oder auch Serienschaltung genannt,  verdoppelt er sich. Zwei 16 Ohm Boxen am Speakerausgang ergeben also 8  Ohm. In einer 4x12er 16 Ohm Box hat in der Regel jeder einzelne Speaker  16 Ohm. 2 sind jeweils miteinander in Reihe geschaltet, ergibt 32 Ohm,  und diese beiden Reihenschaltungen sind wiederum parallel miteinander  verdrahtet, ergibt unsere 16 Ohm Box.

Impedanzwert des Lautsprechers mit dem Ohmmeter
Mit einem Ohmmeter kann man keine Impedanz messen, sondern  nur einen Gleichstromwiderstand (R). Die Impedanz eines Speakers ist  aber ein Scheinwiderstand, der nur bei Wechselstrom auftritt. Der  Scheinwiderstand (Z), eben Impedanz genannt, setzt sich wiederum aus  dem frequenzabhängigen Wechselstromwiderstand der Spule und den  sogenannten Reihenverlustwiderstand (R) zusammen. Ein Lautsprecher ist  also technisch gesehen eine Reihenschaltung aus einem  Gleichstromwiderstand und einem Wechselstromwiderstand. Der mit dem  Ohmmeter gemessene Widerstand kann also immer nur etwas niedriger als  die Impedanz der Box sein. Bei einer 16 Ohm Box misst man typischerweise  ungefähr 12-14 Ohm. Anderes Beispiel: Misst man bei einer Box einen  Widerstand von 6,7 Ohm ist das niemals ein 4 Ohm Speaker, sondern der  nächst höhere Wert, also ein 8 Ohm Speaker.


Der Standby Schalter

Bei  den meisten Verstärkern ist der Standby Schalter dafür vorgesehen, den  Amp für kürzere Zeit, also zum Beispiel in Spielpausen vorübergehend  "auszuschalten" ohne ihn aber wirklich komplett vom Netz zu nehmen. In  den meisten Fällen wird nur die Hochspannung für die Röhren  abgeschaltet, aber die Heizungsversorgung der Röhren (und alle übrigen  Betriebsspannungen, z.B. Kanalumschaltung) bleiben an. Das hat zumindest  den klaren Vorteil, dass der Amp sofort wieder spielbereit ist.  Schaltet man ihn nämlich mit dem Netzschalter komplett aus, wie Amps  ohne Standby Schalter, dauert es mindestens eine halbe bis ganze Minute,  bis man wieder spielen kann.
Es ist aber umstritten, ob der Standby Schalter nötig ist, bis hin zu Nachteilen, die durch ihn sogar entstehen könnten!
Nachteile  könnten sein, eine schnellere Kathodenaustrocknung, weil die Heizung ja  in Spielpausen an bleibt, die Kathode also im Durchschnitt länger  geheizt wird. Oder/und die Kathodenvergiftung, wenn der Amp stundenlang  auf Standby steht. Weil ohne Hochspannung kein Strom fließen kann und  deswegen freie Elektronen, die sich von der Kathode durch das Aufheizen  lösen, nicht "abtransportiert" werden (im normalen Betrieb werden sie  von der Anode angesaugt), kann sich dadurch eine Isolierschicht an der  Kathode bilden, durch die die Verstärkung der Röhre herabgesetzt wird.
Vorteilig dem gegenüber könnte aber sein, dass wenn die Heizung  eben nicht abgeschaltet wird, im Durchschnitt weniger Einschaltstress  für die Heizung vorkommt, weil sie, wenn sie kalt ist, einen sehr hohen  Strom zieht, der sie zum Durchbrennen bringen kann, genau wie das bei  einer Glühbirne der Fall ist.
Bei einer direkten Kopplung zweier Triodensysteme (Anode-Gitter)  in der Vorstufe eines Amps ist es wichtig, dass die Hochspannung erst  am Eingangsgitter des zweiten Triodensystems anliegt, wenn die Röhre  Strom leiten kann. Wenn die Kathode aber noch nicht aufgeheizt ist, kann  sie das nicht, wodurch ein (zu) hohes Spannungspotential zwischen  Gitter und Kathode herrscht, das zu Überschlägen führen kann.
Noch ein Vorteil ist, dass der hohe Einschaltstrom durch die  kalte Heizung zeitlich nicht mit dem hohen Einschaltstrom  zusammentrifft, der durch die Aufladung leerer Netzteilelkos auftritt  und dem kalten Netztrafo selbst.
Diese Für und Wider gelten nicht pauschal für jeden Röhrenamp,  sondern sind jeweils schaltungsabhängig. Eine direkte Anode-Gitter  Kopplung zum Beispiel, findet man bei Weitem nicht in jedem Amp und bei  Amps mit Gleichrichterröhre sieht es auch ganz anders aus, weil hier die  Hochspannung erst frühestens nach dem Aufheizen der Gleichrichterröhre  steht. Stress hat hier dann nur die Gleichrichterröhre. Mancher  Hersteller schaltet mit dem Standby Schalter die Hochspannung gar nicht  ab, sondern schaltet nur stumm oder schaltet nur die Endstufenröhren ab.
Ein klarer Vorteil bei jedem Amp ist aber, wie eingangs schon  erwähnt, die Funktion des Standby Schalters als Stummschalter für  Spielpausen, weil der Amp nach dem Einschalten des Standby Schalters  eben sofort wieder spielbereit ist. Und wenn man ihn nicht stundenlang  auf Standby laufen lässt, können auch die oben erwähnten Nachteile nicht  auftreten. Fazit, einen Standby Schalter im Vollröhren Amp - lieber  schon ;-)

Beim Einschalten mit dem Netzschalter also 30-60 Sekunden warten, dann erst den Standby Schalter auf Spielbetrieb setzen. Beim Ausschalten  ist es zwar so gut wie egal, aber im Zweifelsfall trotzdem besser  zuerst auf Stby schalten und dann erst den Netzschalter betätigen. Man  braucht dazwischen aber nicht zu warten, weil die Hochspannung sehr  schnell absinkt und mit Sicherheit einen völlig unkritischen Wert  erreicht hat, bevor die Temperatur der Kathode ebenfalls so weit unten  ist, dass durch die "Resthochspannung" noch ein Schaden entstehen  könnte.
kontakt@schroeteramplification.de
Telefon: +49 (0)8091 2191
Schröter®Amplification
Schulgasse 3
85614 Kirchseeon
Back to content